Dreilinden Gymnasium

Auch in diesem Jahr besuchten verschiedene Klassen des Dreilinden-Gymnasiums das 7. Internationale Literaturfestival. Sie konnten Literatur hautnah kennen lernen und ihre Englischkenntnisse im Gespräch mit den Autoren anwenden und sich austauschen. Ihre Eindrücke haben die Schülerinnen und Schüler hier festgehalten.

 

Die AutorInnen:

Kevin Brooks (GB)


Gast des ilb 2007

Kevin Brooks, eine neue Stimme unter den britischen Jugendbuchautoren, wurde 1959 bei Exeter in der Grafschaft Devon geboren und studierte in Birmingham und London Psychologie, Philosophie und Kulturwissenschaften. Er war Punkmusiker, Maler, Tankwart, Postbote und Verkäufer im Londoner Zoo, bis im Jahr 2002 mit dem radikal-finsteren Krimi »Martyn Pig« (dt. »Martyn Pig«, 2004) sein erster Jugendroman publiziert und sogleich für die Carnegie Medal (2002) nominiert wurde.

Danach gefragt, warum er für junge Erwachsene schreibe, erklärte Brooks: »Die meisten Leute hören auf, sich bestimmte Fragen zu stellen, wenn sie erwachsen werden [ …]. Ich dagegen fühle mich immer noch, wie ich mich mit 14 gefühlt habe: verwirrt. Ein bisschen eingeschüchtert. Ohne eine richtige Ahnung, was eigentlich läuft. Deshalb ist es für mich ganz natürlich, darüber zu schreiben.« Seine atmosphärisch dichten Romane geben sich verstörend, düster und spannend. Authentisch-zupackend und in kraftvoll-poetischer Sprache schildert der Autor, wie der Alltag seiner jungen Protagonisten durch die Konfrontation mit Gewalt und Willkür auseinanderbricht. In fesselnden Szenen lässt Brooks sie zu Jägern und Gejagten werden und »hetzt sie in unbekanntes Terrain« (»Die Zeit«). Immer wieder lotet er die fließenden Grenzen von Schicksal und Zufall, Schuld und Unschuld aus. In stillen Momenten halten seine Ich-Erzähler inne, um die oftmals schmerzlichen Erfahrungen von Liebe, Einsamkeit und Abschied zu reflektieren. So entstehen sensible Porträts der komplexen Lebensrealität heutiger Jugendlicher im Stile Salingers und Chandlers. 2003 erschien Kevin Brooks" hoch gelobter Roman »Lucas« (dt. »Lucas«, 2005): Auf einer kleinen Insel vor der englischen Küste taucht aus dem Nichts ein Fremder auf - Lucas. Die 15-jährige Ich-Erzählerin Cait ist auf Anhieb fasziniert und steht bedingungslos zu ihm, während die anderen Inselbewohner dem rätselhaften Jungen mit Ablehnung und blankem Hass begegnen. In der klaustrophobischen Enge der Insel spitzt sich die Lage bald unbegreiflich zu und endet in einer Hetzjagd auf Leben und Tod. »Es ist die Art Buch, die einen, auf der letzten Seite angekommen, in Stille verharren lässt«, bemerkte die »Sunday Times«. Mit »Kissing the Rain« (2004; dt. »Kissing the Rain«, 2007) legt der Autor erneut einen aufwühlenden Thriller um Wahrheit und Lüge vor: Atemlos und ungeschliffen, in einem mit Slang durchsetzten Redeschwall, dessen Eindringlichkeit grafisch mit Großbuchstaben betont wird, berichtet Moo voller Wut und Angst, wie er als einziger Zeuge eines Verbrechens zwischen die Fronten gerät. »Es ist nicht leicht, Moo zu mögen; doch wegzuhören, wenn er spricht, ist undenkbar. [… ] Seine Geschichte wird bleiben«, resümierte die »Frankfurter Allgemeine Zeitung«.

Kevin Brooks, dessen Werke in Amerika und Europa verlegt sind, hat eine Vielzahl internationaler Auszeichnungen erhalten. Für »Lucas« wurde er mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis (2006) geehrt. »Road of the Dead« (2006; Ü: Straße der Toten) kam auf die Auswahlliste des Edgar Allan Poe Awards (2007) und der Carnegie Medal (2007). Darüber hinaus war der Schriftsteller dreimal für den Guardian Children"s Fiction Award nominiert. Brooks ist verheiratet und lebt in Richmond, North Yorkshire.

© internationales literaturfestival berlin

 

BIBLIOGRAFIE:

Martyn Pig, dtv, München, 2005, [Ü: Uwe-Michael Gutzschhahn]

Lucas, dtv, München, 2005, [Ü: Uwe-Michael Gutzschhahn]

Candy, dtv, München, 2006, [Ü: Uwe-Michael Gutzschhahn]

The Road of the Dead, The Chicken House, Somerset, 2006

Kissing the Rain, dtv, München, 2007, [Ü: Uwe-Michael Gutzschhahn]

Being, Puffin Books, Lo

 

Pnina Moed Kass (USA/Israel) 

 

Gast des ilb 2007


Pnina Moed Kass wurde 1938 in Belgien geboren und wuchs in New York auf. Seit fast vierzig Jahren lebt sie in ihrer Wahlheimat Israel. Nach dem Studium der Politikwissenschaft und Kunstgeschichte in den USA arbeitete sie in der Werbe- und Musikbranche. Sie schrieb für verschiedene Magazine und unterrichtete Englisch an einer High School in den USA und später in Israel. Ihr literarisches Werk umfasst Kurzgeschichten, die in zahlreichen Zeitungen und Anthologien publiziert wurden, Drehbücher, Liedtexte, Bilderbuchgeschichten und den Aufsehen erregenden Roman »Real Time« (2004; dt. »Echtzeit«, 2005).

Protokollartig präsentiert Moed Kass darin ein Mosaik aus Figuren, deren Lebenswege sich in Israel kreuzen und jäh an einen Abgrund geraten, als eines Morgens um 11:47 Uhr in einem Bus eine Bombe explodiert. Kunstvoll verknüpft die Autorin die Schicksale zu einem ergreifenden Dokument des Alltags im heutigen Israel: Da ist der 16-jährige Thomas Wanninger auf der Suche nach Antworten über die Nazi-Vergangenheit seines Großvaters, der gleichaltrige Palästinenser Sameh Laham, der illegal in einem israelischen Restaurant arbeitet, die aus Odessa stammende Vera Brodsky, der Holocaust-Überlebende Baruch Ben Tov sowie ein palästinensischer Arzt in einem israelischen Krankenhaus. Stunde für Stunde, Minute für Minute verfolgt Pnina Moed Kass in multiperspektivischer Erzähltechnik die Ereignisse vor und nach dem Selbstmordattentat und zeichnet ein packendes Bild des israelisch-palästinensischen Konflikts. »Es ist wie bei einem verhedderten Faden - wenn man daran zieht, wird der Knoten nur fester«, heißt es im Roman. Die inneren Monologe sind mit Gesprächen, Radionachrichten und Verhörprotokollen, Sanitäterberichten, medizinischen Befunden, TV-Kommentaren und Augenzeugenberichten dramaturgisch exzellent montiert. Große Überzeugungskraft gewinnt der Roman insbesondere dadurch, dass die Autorin keine Sichtweise ausklammert. Sie beleuchtet den beklemmenden Alltag der Israelis ebenso wie die Motive der Attentäter und die demütigenden Lebensbedingungen im besetzten Gaza-Streifen. In den Gedankenströmen der Hauptpersonen vor und nach dem Attentat werden die wahren Motive für die Aufenthalte der Figuren deutlich und erfahren eine Neubewertung: Was bedeuten nach einem solchen Unglück noch Geheimnisse, Hoffnungen und Träume? Durch die unkommentierte Montage dieser Reflexionen lässt Pnina Moed Kass ein eindringliches Schreckensbild des Irrwegs des Terrors entstehen. »Manchmal habe ich mich gefragt, ob ich wirklich etwas schreibe oder es nur aufzeichne«, sagt die Autorin, die sich nach der weltweiten Terrorwelle des 11. September zu diesem Roman entschloss. Die »Frankfurter Rundschau« zählte »Echtzeit« zu einem der »aufregendsten Jugendbücher der letzten Jahre«.

Der auf Englisch geschriebene Roman ist inzwischen auch in Frankreich und Deutschland erschienen. In Kürze wird eine italienische Übersetzung veröffentlicht. Das Werk wurde mit dem Sydney Taylor Book Award (2004) sowie dem National Jewish Book Award (2005) ausgezeichnet und u.a. von der American Library Association offiziell zur Lektüre empfohlen (2006). Zudem legte Moed Kass eine Bilderbuch-Reihe in hebräischer Sprache vor. Die Autorin hat drei Söhne und drei Enkelkinder. Sie lebt in der Nähe von Tel Aviv.

©  internationales literaturfestival berlin

 

BIBLIOGRAFIE

Berele Berele ma ba sal, Keter, Jerusalem, 1990, [Ill: Ora Ayal]

Berele Berele bo la gan, Keter, Jerusalem, 1999, [Ill: Pepi Marsel]

Echtzeit, Bloomsbury Verlag, Berlin, 2005, [Ü: Uwe-Michael Gutzschhahn]

 

London, 2007

Quelle: www.literaturfestival.com